25.

32.

Die Arten der Selbstbetäubung. – Im Innersten: nicht wissen, wohinaus? Leere. Versuch, mit Rausch darüber hinwegzukommen: Rausch als Musik, Rausch als Grausamkeit im tragischen Genuß des Zugrundegehens des Edelsten, Rausch als blinde Schwärmerei für einzelne Menschen oder Zeiten (als Haß usw.). – Versuch, besinnungslos zu arbeiten, als Werkzeug der Wissenschaft: das Auge offen machen für die vielen kleinen Genüsse, zum Beispiel auch als Erkennender (Bescheidenheit gegen sich); die Bescheidung über sich zu generalisieren, zu einem Pathos; die Mystik, der wollüstige Genuß der ewigen Leere; die Kunst „um ihrer selber willen“ („le fait“), das „reine Erkennen“ als Narkosen des Ekels an sich selber; irgend welche beständige Arbeit, irgendein kleiner dummer Fanatismus; das Durcheinander aller Mittel, Krankheit durch allgemeine Unmäßigkeit (die Ausschweifung tötet das Vergnügen).

1. Willensschwäche als Resultat.

2. Extremer Stolz und die Demütigung kleinlicher Schwäche im Kontrast gefühlt.

33.

Der unvollständige Nihilismus, seine Formen: wir leben mitten drin.

Die Versuche, dem Nihilismus zu entgehen, ohne die bisherigen Werte umzuwerten: bringen das Gegenteil hervor, verschärfen das Problem.

34.

1. Der Nihilismus steht vor der Tür: woher kommt uns dieser unheimlichste aller Gäste? – Ausgangspunkt: es ist ein Irrtum, auf „soziale Notstände“ oder „physiologische Entartungen“ oder gar auf Korruption hinzuweisen als Ursache des Nihilismus. Es ist die honnetteste, mitfühlendste Zeit. Not, seelische, leibliche, intellektuelle Not ist an sich durchaus nicht vermögend, Nihilismus (das heißt, die radikale Ablehnung von Wert, Sinn, Wünschbarkeit) hervorzubringen. Diese Nöte erlauben immer noch ganz verschiedene Ausdeutungen. Sondern: in einer ganz bestimmten Ausdeutung, in der christlich-moralischen, steckt der Nihilismus.

2. Der Untergang des Christentums – an seiner Moral (die unablösbar ist –), welche sich gegen den christlichen Gott wendet (der Sinn der Wahrhaftigkeit, durch das Christentum hoch entwickelt, bekommt Ekel vor der Falschheit und Verlogenheit aller christlichen Welt- und Geschichtsdeutung. Rückschlag von „Gott ist die Wahrheit“ in den fanatischen Glauben „Alles ist falsch“. Buddhismus der Tat...).

3. Skepsis an der Moral ist das Entscheidende. Der Untergang der moralischen Weltauslegung, die keine Sanktion mehr hat, nachdem sie versucht hat, sich in eine Jenseitigkeit zu flüchten: endet in Nihilismus. „Alles hat keinen Sinn“ (die Undurchführbarkeit einer Weltauslegung, der ungeheure Kraft gewidmet worden ist – erweckt das Mißtrauen, ob nicht alle Weltauslegungen falsch sind –). Buddhistischer Zug, Sehnsucht ins Nichts. (Der indische Buddhismus hat nicht eine grundmoralische Entwicklung hinter sich, deshalb ist bei ihm im Nihilismus nur unüberwundene Moral: Dasein als Strafe, Dasein als Irrtum kombiniert, der Irrtum also als Strafe – eine moralische Wertschätzung). Die philosophischen Versuche, den „moralischen Gott“ zu überwinden (Hegel, Pantheismus); Überwindung der volkstümlichen Ideale: der Weise, der Heilige; der Dichter. Antagonismus von „wahr“ und „schön“ und „gut“ – –

4. Gegen die „Sinnlosigkeit“ einerseits, gegen die moralischen Werturteile andererseits: inwiefern alle Wissenschaft und Philosophie bisher unter moralischen Urteilen stand? und ob man nicht die Feindschaft der Wissenschaft mit in den Kauf bekommt? Oder die Antiwissenschaftlichkeit? Kritik des Spinozismus. Die christlichen Werturteile überall in den sozialistischen und positivistischen Systemen rückständig. Es fehlt eine Kritik der christlichen Moral.

5. Die nihilistischen Konsequenzen der jetzigen Naturwissenschaft (nebst ihren Versuchen, ins Jenseitige zu entschlüpfen). Aus ihrem Betriebe folgt endlich eine Selbstzersetzung, eine Wendung gegen sich, eine Antiwissenschaftlichkeit. Seit Kopernikus rollt der Mensch aus dem Zentrum ins x.

6. Die nihilistischen Konsequenzen der politischen und volkswirtschaftlichen Denkweise, wo alle „Prinzipien“ nachgerade zur Schauspielerei gehören: der Hauch von Mittelmäßigkeit, Erbärmlichkeit, Unaufrichtigkeit usw. Der Nationalismus. Der Anarchismus usw. Strafe. Es fehlt der erlösende Stand und Mensch, die Rechtfertiger –

7. Die nihilistischen Konsequenzen der Historie und der „praktischen Historiker“, das heißt der Romantiker. Die Stellung der Kunst: absolute Unoriginalität ihrer Stellung in der modernen Welt. Ihre Verdüsterung. Goethes angebliches Olympiertum.

8. Die Kunst und die Vorbereitung des Nihilismus: Romantik (Wagners Nibelungen-Schluß).

35.
22 of 284
Last page
CONTENTS
Chapters
Highlights